
Zuführung – Eine Performance der Künstlergruppe SCHAUM
von Balthasar Krüger
Vier zurückhaltend gekleidete Mitglieder der Gruppe SCHAUM zentrieren sich an einem Tisch im Kunstverein zu Rostock, auf dem drei leere Kisten und drei Exponate der laufenden Ausstellung bereit stehen. Stille kehrt ein. Die drei Werke, „Wir wissen nicht was es ist“, „Es kann nur Einen geben“ und „Das ist kein Kreuz“ werden von einem SCHAUM-Mitglied (im Folgenden Protokollführer) mit weißen Handschuhen, unter den Blicken der Ausstellungsbesucher, nacheinander auf Ihre Unversehrtheit hin kontrolliert, protokolliert und einzeln in eine Kiste verpackt. Der Protokollführer zieht die Handschuhe aus, präpariert den Durchschlag, füllt das Protokoll aus und legt es dem Verantwortlichen des Kunstvereins zur Unterschrift vor. Nach erfolgter Unterzeichung des Schriftstücks wird das Protokollheft geschlossen und vom Protokollführer verwahrt. Nacheinander und in gemessenem Schritt setzen sich die drei Träger und der Protokollführer in Bewegung und verlassen den Kunstverein. Anfangs zögerlich folgen ihnen einige Ausstellungsbesucher. Beim Überqueren des Alten Marktes an der Petrikirche, wächst die Zahl der Neugierigen durch sich spontan anschliessende Passanten und Besucher der „Kunstnacht“. In der Kirche wartet am Altar der Pastor in vollem Ornat; im Mittelschiff wird die Vierergruppe von einem weiteren Protokolleur, dem fünften Schaummitglied, ebenfalls mit weißen Handschuhen empfangen. Die Träger und der Protokollant aus dem Kunstverein nehmen vor dem ersten Sockel Aufstellung und warten, bis die Menschenmenge den Kirchenraum füllt. Der erste Protokollführer übergibt dem in der Kirche wartenden Zweiten das Protokoll, entfernt sich und setzt sich in die erste Bankreihe. Die Objekte werden der Reihe nach zu den vorbereiteten Sockeln gebracht, den Kisten entnommen, platziert und deren Unversehrtheit erneut kontrolliert und protokolliert. Nacheinander nehmen die Träger in der ersten Bankreihe Platz. Abschließend wird das Protokoll vom zweiten Protokollführer geprüft, der Durchschlag vorbereitet, dem am Altar stehenden Pastor ordnungsgemäß zur Unterschrift vorgelegt und im Original übergeben. Abschließend nimmt auch der zweite Protokolleur in der ersten Bankreihe Platz.
Der Rest obliegt der Interpretation des aufmerksamen Betrachters und einer genaueren Prüfung der Titel und Objekte, durch die profane Botschaften und ironische Kontexte in den Kirchenraum eingeschleust wurden.
Bilder: Frauke Lietz, Gesine Karge. Filmübertrag und Schnitt: Christopher Hartmann.



