Marc W1353L - Arbeiten
Gedanken zum Schaum
Sollten- oder könnten wir als Künstlergruppe das Netz überwinden, um die Sphäre des Schaums zu erobern?!
Der Begriff des Netzwerkes ist mittlerweile in aller Munde und so verwässert und überspannt worden, das uns kaum noch auffällt wie verbraucht und unpräzise er in seiner Konsequenz eigentlich ist. Wir wollen uns als Künstler die Frage stellen, was könnte eine Künstlergruppe jenseits der zweidimensionalen Metaphorik eines Netzbegriffes ausmachen. Der Mensch ist Raum, bewegt sich im Raum und hat in der Renaissance, dank der Kunst begonnen sich die Welt räumlich vorzustellen. Warum wir ausgerechnet heute den Alltag des Komplexen mit einem nicht-räumlichen Begriff zu beschreiben versuchen bleibt schleierhaft und somit könnte die Komplexität im Prozess der Bildung einer Künstlergruppe im Sinne Sloterdijks vor allem räumlich als Sphäre, Zelle, Kapsel oder Schaum gedacht werden. Demnach gilt es zu entwickeln, was bedeutet es eine Gruppe im Sinne der Schaummethaphorik zu sein und welche Konsequenzen hätte dies für unsere künstlerische Arbeit im individuellen sowie im Gruppenauftritt.
(M.W.)
zweitens
„Es kommt mir nicht nur auf den Abschließungscharakter verkapselten Verhältnissen, sondern auch auf eine Kritik an den textilen Methaphern, mit denen die Urbanistik und die Netztheorie der letzten Jahrzehnte gearbeitet haben. Das Reden von Netzen und Geweben leistet einer Enträumlichungtendenz Vorschub, die ich für gefährlich halte. Im Netzwerkdenken gibt es nur Schnittstellen, Interfaces und Punkte, die vom Modell zweier oder mehrerer sich schneidender Geraden oder Kurven her gedacht werden. Man bekommt somit ein Weltbild dessen konstituierendes Element der Punkt ist. Die Netztheoretiker denken radikal unräumlich, d.h. zweidimensional, sie gebrauchen die Begriffe der Magersucht, um ihr Verhältnis zur Umwelt zu interpretieren. Ihre Graphiken verraten durchwegs, dass die einzelne Weltstelle als ein Schnittpunkt zwischen volumenlosen Linien aufgefasst wird. Ich setze dagegen auf den Begriff der Schaumblase oder der Zelle, meinetwegen der Kapsel, um zu zeigen, dass auch das Einzelelement bereits eine Eigenausdehnung hat. Wir sollten nicht in eine Punktologie zurückfallen, sondern von der weltfähigen Zelle als Minimalgröße ausgehen. Etwas mehr Monadologie kann nicht schaden – die Monade ist kein ausdehnungsloser Punkt, sondern hat Mikroweltcharakter. An der Kapselmetapher als solcher liegt mir nicht viel, die der Zellen ist wesentlich wichtiger. `Zelle´ drückt die Welthaltigkeit und Weltförmigkeit der einzelnen Stelle aus. Bei der Gewebe- und Netzmetapher gelangt man bestenfalls zu winzigen Knoten, doch Knoten kann man nicht bewohnen. Dagegen wird mit der Schaummethapher die mikrokosmische Eigenräumlichkeit jeder einzelnen Zelle hervorgehoben.“
(Peter Sloterdijk in Arch+ Nr. 169/170 S.21 über die Schaumtheorie aus seinem Buch Sphären-III)







